Test der Golfuhr "ShotScope v2"
Wenn man den Golfsport etwas ambitionierter betreibt stellt sich irgendwann die Frage wie man sich und sein Spiel weiter voranbringen kann. Im Zeitalter von Digitalisierung und Big Date ist es natürlich auch im Golfsport ein guter Ansatz Daten über sein Spiel zu sammeln und auszuwerten. Uhren mit Trackingfunktion für das Golfspiel gibt es einige auf dem Markt.
Ich habe für Euch die ShotScope v2 getestet und präsentiere Euch hier meinen Test und das Fazit dazu.
Die ShotScope v2 ist eine Golfuhr die vor allem auf das Datensammeln ausgerichtet ist. Im Vergleich mit anderen Modellen (bspw. Garmin Approach ) bietet sie nur relativ wenige Informationen auf dem Platz. Sie zeigt Entfernungen zu Hindernissen und zum Grün (Front/Mitte/Back) an. Damit erschöpft sich die Anzeige beim Spiel auf dem Platz auch schon.
Dafür kann man nach der Runde sehr informative Statistiken abrufen und lernt schnell viel über sein eigenes Spiel.
Also legen wir los.
Auspacken - Unboxing
Der Packungsinhalt der Uhr ist recht übersichtlich. Neben der Uhr selbst finden sich ein USB-Kabel sowie die Bedienungsanleitung und die Tracking tags zur Markierung der Schläger in der Verpackung. Die Uhr wirkt im Vergleich zur normalen Armbanduhr relativ klobig. Sie besitzt links 3 Knöpfe und rechts zwei.
Hier der Packungsinhalt in der Übersicht:
- Uhr
- USB-Kabel
- Tags zum Markieren der Schläger (16 Stück, markiert mit Buchstaben bspw. "D", "9i" ...)
- Bedienungsanleitung (nur englisch)
Die Uhr besitzt ein monochromes Display und lässt sich über das USB-Kabel aufladen. Leider dauert das Laden relativ lang. Ist der Akku leer so braucht das Laden auf einen verwendbaren Zustand (also mindestens 75%) ca.3,5h. Bei meinen Tests reichte der vollgeladene Akku gut für ein 18-Loch Spiel mit noch ca. 60% Akkukapazität. Zwei 18-Loch Runden habe ich nicht mit einer Ladung gespielt. Im Internet liest man allerdings, dass die Uhr das nicht schafft. Zudem muss man auch darauf achten die Uhr direkt nach dem Spiel auszuschalten. Sonst schwindet die Akkuladung schneller als Eis in der Sonne. Und nach einigen Stunden ist der Akku komplett leer.
Das erste Einstellen der Uhr ist relativ schnell erledigt. Das wichtigste dabei ist die Registrierung auf der Seite von Shot Scope: https://www.shotscope.com/getstarted denn hier findet man dann später auch das Performance Dashboard mit den sehr umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten. Das ist das eigentliche Herzstück der Uhr.
Zudem kann und sollte man sich die APP aufs smartphone installieren (Google Play/Apple AppStore). Diese benötigt man bspw. um neue Plätze auf die Uhr zu laden. Zudem kann man alle Statistiken auch über die App anschauen.
Im Zuge des Registrierungsprozesses kann man festlegen, ob man yards oder Meter als Maßeinheit verwenden möchte. Dies kann man später aber auch wieder ändern. Neben ein paar persönlichen Angaben wird noch das Handicap eingetragen. Damit ist die grundsätzliche Einstellung der Uhr abgeschlossen..
Markieren der Golfschläger
Die Uhr erfasste in meinen Runden bislang die Schläge sehr genau. Sie erkennt dabei den verwendeten Schläger zuverlässig und speichert jeweils die Position eines Schlages. Damit dies funktioniert müssen die Tags an den Schlägern angebracht werden mit denen die Uhr den Schläger erkennt. Dafür muss man sich mal eine Stunde Zeit nehmen, die Tags anbringen und seine Tasche über die App einrichten. Die App kennt dabei eine große Vielzahl an Marken und Modellen, sodass man sein Bag hier gut nachbilden kann.
Die Tags sind mit Kürzeln versehen wie bspw. 'D' für Driver oder '9i' für das Eisen-9. Was vielleicht dem ein oder anderen nicht behagt - die Tags werden hinten in das Schlägerende am Schaft geschraubt. Man "beschädigt" damit den Griffe etwas, in dem man das meist vorhandene kleine Loch im Plastik/Gummi erweitert. Belässt man die Tags am Schläger ist das kein Problem, schließlich sitzt der Tag dann dort.
Danach wird jeder Tag einzeln mittels der App registriert. Anhand der Tags erkennt die Uhr später auf dem Platz den Schläger - und zwar sehr zuverlässig.
Auf dem Golfplatz
Mit der App muss vor dem Spiel der jeweilige Platz auf die Uhr geladen werden. Sonst kennt die Uhr den Platz nicht und ein Tracking ist nicht möglich.
Zum Glück kann man das auch mit der Smartphone App erledigen. Auf meine Uhr habe ich elf Golfplätze in meiner Gegend abgelegt. Dies ging ohne Probleme.
Neuer Golfplatz innerhalb weniger Minuten auf die Uhr geladen
Innerhalb weniger Minuten ist ein neuer Golfplatz geladen - bestehende Internetverbindung mit dem Handy vorausgesetzt. In unserer Gegend (München Land) sind dabei selbst kleine 9-Loch Kurzplätze in der Shot Scope Datenbank verfügbar.
Sobald man auf dem Platz unterwegs ist sollte man (nicht zu kurz) vor dem Abschlag den Golfplatz in der Uhr auswählen. Die Uhr sucht mittels GPS den nächstgelegenen Kurs. Dies kann einige Minuten dauern. Leider kann man den Kurs nicht manuell auswählen.
Nun kann es losgehen. Laut Bedienungsanleitung ist es vorteilhaft ein paar Probeschwünge zu machen und zwar in einiger Entfernung vom eigentlichen Schlag. Wenn man das beherzigt (ich habe es nicht immer getan) sollte die Uhr die "echten" Schwünge perfekt aufzeichnen. Bei mir hat das auch ohne Probeschwung gut funktioniert. Lediglich wenn man sich nach den Probeschwüngen überlegt einen anderen Schläger zu wählen, kann es sein, dass die App die Schwünge mit dem ersten Schläger als Schlag zählt. Dies kann man aber hinterher beim Edit/sign-off leicht korrigieren.
Bis zum Grün muss man sich mit der Uhr nun gar nicht mehr beschäftigen. Mittels der Knöpfe kann man sich Entfernungen zum Grün und zu Hindernissen anzeigen lassen. Zudem kann man auch Strafschläge und drops erfassen. Dies kann man allerdings auch im Edit-Modus hinterher im Dashboard tun - man sollte sich nur gut an die einzelnen Schläge erinnern.
Die nächste Aktion ist erst fällig, wenn man den Ball eingelocht hat. Dann wählt man über den richtigen Knopf die Anzahl der Puts und die Fahnenposition wird festgehalten. Man muss dies also direkt an der Fahne tun um die korrekte Position zu erfassen. Aber auch das kann später im Dashboard korrigiert werden.
Nach der Runde
Nach der Runde erfolgt über das Dashboard im Internet das Sign-off der Runde. Dabei kann man alle Schläge sowie ihre Position korrigieren - wenn nötig. Auch Strafschläge können noch hinzugefügt werden oder zu viel gezählte Schläge können entfernt werden. Dies kam bei mir nur einmal vor, als ich nach den Probeschwüngen den Schläger getauscht habe.
Sind alle notwendigen Anpassungen vorgenommen, so kann man die Runde abspeichern. Nun stellt das Dashboard eine Vielzahl von Statistiken bereit, die alle sehr durchdacht wirken und sich intuitiv bedienen lassen.
Auswertungen
Über die Website gibt es viele interessante Statistiken zu entdecken. Bereits nach wenigen gespielten Runden sieht man hier bereits Tendenzen.
Als Beispiel habe sei die Länge der Schläge sowie die Genauigkeit bei den Tee Shots ausgewählt:
Nachfolgend beispielsweise meine Teeshot-Statistik. Alle Statistiken können gefiltert und individuell ausgewertet werden. In der unten angefügten Grafik kann bspw. Jeder Datenpunkt angeklickt werden und man springt damit im Dashboard zu dem jeweiligen Schlag in der zugehörigen gespielten Runde.
Und hier noch einige der Statistiken zum Putting.
Fazit:
Die Shot Scope v2 ist eine relativ günstige Alternative um einfach Daten auf dem Golfplatz zu sammeln. Wer eine optimale Unterstützung für die on-course Information sucht, der ist mit der shotscope v2 nicht optimal bedient. Dazu gibt es sicherlich bessere Alternativen. Für mein Golfspiel mit einem 20er Handicap sind die Informationen jedoch ausreichend - die Stärken der Uhr liegen woanders. Meine App (Golfshot) die ich bisher auf dem Handy genutzt habe verwende ich nun nicht mehr.
Allerdings ist das Universum um die Uhr herum - App und das Dashboard - extrem überzeugend und informativ gestaltet. Schon nach der dritten aufgezeichneten Runde konnte ich anfangen erste Erkenntnisse umzusetzen. Die Uhr ist daher wirklich eher ein Tracking-Gerät. Sie zeichnet sehr zuverlässig Schläge auf und erkennt Schläger problemlos anhand der Tags.
Aufpassen muss man immer auf den Grüns. Nach dem putten muss man die Anzahl der Putts über den jeweiligen Knopf eingeben. Dabei wird automatisch die aktuelle Position als Fahnenposition gespeichert. Das vergisst man ab und zu und man will ja nicht nochmal zur Fahne zurück laufen, wenn der Flight schon am nächsten Abschlag den Driver zückt. Die Fahnenposition kann allerdings später im Edit-Modus auch noch einfach korrigiert werden.
Für ca. 180 Euro bietet die Uhr einen sehr großen Mehrwert im Bezug auf die statistische Auswertung des eigenen Golfspiels. So erfährt man bspw. zuverlässig endlich mal die maximale/minimale und durchschnittliche Weite mit jedem Schläger. Die Statistik unterscheidet hier nach Durchschnitt, längste Schläge und performing average. Beim letzteren werden die Ausreißer nicht berücksichtigt (also fett getroffene Bälle, Bälle die Bäume treffen usw.).
Was mir gut gefällt
- Schläge wurden mit ganz wenigen Ausnahmen perfekt getracked
- im Edit-Modus nach der Runde lassen sich alle Schläge leicht nachjustieren bzw. korrigieren, falls das notwendig sein sollte
- das Ökosystem der Uhr, also die App und die Auswertungsmöglichkeiten des Dashboards - hier liegen die absoluten Stärken der ShotScope
- Putts werden aufgezeichnet und mit einem Druck auf eine der Tasten für die Anzahl der Putts wird auch automatisch die Fahnenposition gespeichert
- Man kann eine Vielzahl von Medaillen erwerben, das erhöht die Motivation (z.B. fünf Greens in Regulation in einer Runde, 10 getroffene Fairways in einer Runde usw.).
Was mir nicht so gut gefällt
- Die Uhr lässt sich während des Spiels nicht mit der App auf dem Handy verbinden
- die Rundenergebnisse kann man sich auf der Uhr während der Runde nicht anzeigen lassen
- wenn man einen Platz spielen möchte so muss die Uhr per GPS den Platz suchen, mann kann dies nicht manuell einstellen - die Suche dauert mehrere Minuten. Bei mir hat das mehrmals dazu geführt, dass ich den ersten Schlage nicht aufnehmen konnte, da ich erst beim Abschlag daran dachte den Platz einzustellen. Der Schlag kann allerdings manuell später einfach hinzugefügt werden
- Akkulaufzeit recht gering (1 x 18 Loch sind locker drin, zweimal 18 Loch schafft die Uhr wohl nicht)
- Ladezeit sehr lang (ca. 5h wenn sie komplett leer ist, mindestens 3h um über 18 Loch zu kommen)
Würde ich mir die ShotScope v2 wieder kaufen?
Ja, auf jeden Fall!
Das Ökosystem mit App und Dashboard im Internet ist so umfassend, dass man damit sein Spiel in allen möglichen Facetten analysieren und verbessern kann. So habe ich relativ schnell gelernt, dass meine Annäherungen oft zu kurz und rechts vom Grün landen. Die Datensammlung mit der Uhr funktioniert in der Praxis gut und problemfrei. Für die Nachbereitung der Runde sollte man sich 15 Minuten einplanen. Dann kann man kleinere Korrekturen vornehmen oder z.B. Strafschläge ergänzen. Für mich ein tolles Tool und sehr viele Datenpunkte, die man auswerten kann.
Lediglich die lange Ladezeit und die kurze Akkulaufzeit nerven etwas.
Update vom 11.7.2020 (Shot Scope v3)
Mittlerweile gibt es ein Update: die ShotScope v3. Folgende Features gibt Shot Scope als neue features an:
- größeres Display in Farbe (34mm statt 32mm)
- dabei ist die Uhr kleiner und dünner geworden
- gesteigerte GPS Genauigkeit
- kann als normale Armbanduhr benutzt werden
- über 32.000 Golfplätze sind bereits auf der Uhr installiert und müssen nicht mehr wie bei der v2 separat geladen werden
Sie ist etwas kleiner als eine Apple-Watch