Mehr Länge beim Drive

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"Drive for the show, put for the dough"

Diese Redensart ist den meisten Golfern bekannt. Der drive ist demnach also für die Show und um alle umstehenden zu beeindrucken. Allerdings sei das kurze Spiel - so heißt es - am effektivsten für die Verbesserung des Ergebnisses gerade bei Spielern mit mittlerem Handicap geeignet.

Dennoch hält sich auch hartnäckig das Bestreben, längere Schläge zu spielen. Wenn das auch - rein statistisch betrachtet - für das Gesamtergebnis nicht so entscheidend sein mag, trägt eine große Länge doch zum gestärkten Selbstbewusstsein eines Spielers bei.
Wir wollen also in diesem Artikel auf die Länge beim Schlag und ihre Verbesserung eingehen. Nichts geht über das Gefühl, wenn man beim Abschlag einen super-drive schlägt und mehrere Dutzend Meter länger ist als die Mitspieler.

Angeregt von Bryson DeChambeau's jüngsten Verbesserungen bei der Länge seiner Schläge (vom Tee und generell) haben wir uns gefragt:

Wie kann man effektiv seine Länge verbessern?

Es gibt natürlich sehr viele technische Aspekte des Schwungs, auf die wir hier nicht eingehen wollen. Diese sind sehr individuell und sollten vom Pro vor Ort analysiert werden. Wir wollen in diesem Artikel auf die körperliche Fitness und einige allgemeine Übungen eingehen, die für mehr Länge und einen stabileren Golfschwung sorgen kann.

Bryson DeChambeau hat sich dazu ein Intensivprogramm verordnet, bei dem er nach eigenen Angaben 3,5h am Tag im Fitnessstudio (standesgemäß im eigenen Haus!) zubrachte. Es legte dabei ca. 11kg an Muskelmasse zu. Ergebnis ist, dass er aktuell auf Platz 5 der PGA driving distance liegt mit einer durchschnittlichen Länge von 314,5 yds
Im Vergleich dazu die beiden Vorjahre:

  • 2018: 25. mit 305,7 yds
  • 2019: 34. mit 302,5 yds

Gerade hat er bei den World Golf Championships in Mexico den zweiten Platz belegt.
Fängt man an zu dem Thema Länge zu recherchierten, findet man viele Beiträge, Videos und so weiter. Allerdings oft wenig wirklich konkret hilfreiches.
Klar ist: Der lange Drive ist eine Kombination von Geschwindigkeit, Kraft und richtiger Technik.
Wir wollen uns hier hauptsächlich auf einen dieser Aspekte konzentrieren: Die körperliche Fitness. Dazu haben wir uns interviews mit long drive champions und Beiträge von/über long hitter der Tour angesehen. Wir haben die gemeinsame Schnittmenge herausgefiltert. Zudem haben wir auch eigene Erfahrungen mit Fitnessübungen einfliesen lassen.
Das Fitness-Programm zu Hause oder im Fitnessstudio ist ideal für die kalte Jahreszeit. Ohnehin haben die meisten von uns im Winter kaum Zeit für das Training auf der Range. Schließlich verfügt nicht jeder Platz über eine perfekt ausgeleuchtete Range mit beheizten Boxen...
Zwei bis drei kurze Trainingseinheiten pro Woche machen Dich fit für die neue Golfsaison. Du wirst das nicht nur in einer größeren Länge sondern auch in einer besseren Stabilität und Wiederholbarkeit Deines Schwunges spüren.

Ein Blick zu den long drive Champions

Wenn es darum geht den Ball extrem weit zu schlagen, dann erscheint es mehr als sinnvoll die Profis im Ball-Weitschlagen zu konsultieren: Die Long Drive champions. Ja, es gibt tatsächlich eine eigene Sportart, die sich ausschließlich mit dem long drive beschäftigt. Wer interessiert ist: German Long Drive Championship.
Wir haben ein recherchiert und versucht die besten Tipps und Übungen der internationalen Profis zusammen zu tragen.

Kyle Berkshire (aktueller Long Drive Champion)

Kyle Berkshire ist der amtierende Long Drive ChampionDas offensichtlichste und markanteste Element in Kyle's Schwung ist der beinahe schon tanzartige Ansatz vor dem Schwung. Sieht lustig aus - etwas Happy Gilmore mäßig - aber scheint zu funktionieren. Offensichtlich lockert er damit seine Hüften und bereitet den Körper auf eine möglichst flexible Bewegung vor.

 

In einem interview verrät er einige Tipps für einen längeren Schwung, die jeder berücksichtigen kann:

Tipp 1) Man sollte mehrmals pro Woche üben so schnell wie möglich zu schwingen. Richtung und Korrektheit des Schwungs spielen dabei keine Rolle. Wichtig ist dabei den Körper in seiner Geschwindigkeit nicht einzuschränken. Damit lernt der Körper generell schneller zu schwingen. Das wirkt sich dann auch auf den normalen Schwung aus. Selbst wenn man dann wieder im normalen Rhythmus schwingt, passiert das mit mehr Effizienz, größerer Geschwindigkeit und Genauigkeit.
Für den Anfang sollte man das mit 20 bis zu 30 Bällen ein- oder zweimal die Woche tun. Dabei sollte man auf seinen Körper hören und achten. Später kann man dann 40 Bälle schlagen und das Ganze zwei- oder dreimal die Woche üben.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Diese Übung dient nicht zur Einübung eines echten Bewegungsablaufes beim Drive. Sie soll lediglich den Körper darauf vorbereiten, schneller zu schwingen. 


Tipp 2) Hartes Fitness-Training, vor allem Sqats - Kniebeuge (siehe unsere Übungen unten), Bankdrücken und Oberkörpertraining. Denn wenn Du stärker wirst, so sagt Kyle, dann wird auch Dein Körper schneller im Schwung. Eine höhere Geschwindigkeit führt dann zu längeren Schlägen...

Konkrete Übungen und Fitness-Tipps haben wir von und über Kyle allerdings nicht gefunden.

Jeff Flag (Long Drive Champion 2014)

Einer der weiteren longdrive champions ist Jeff Flag. Auch Jeff hat einige Tipps für uns. Es ist der Meinung dass 85% der Länge beim Golfschwung vom Oberkörper stammen. 

Aktives Muskeltraining für mehr Weite

Und auch er ist überzeugt davon, dass aktives Training der Muskeln einer der Schritte zu mehr Weite ist. Ganz nebenbei hilft die Stärkung der Muskulatur dabei stabilere Schwünge zu machen.

Das Geheimnis langer Schläge sieht er recht einleuchtend darin seine Arme so schnell wie möglich um den Körper zu drehen. Eine kleine Übung gefällig?

Übung 1 - Wirf einen Stein beim Schlag

Egal wo du gerade bist, nimm einen Stein und wirf ihn flach über den Boden. Ok, wenn Du gerade im Wohnzimmer vorm Tablet oder Notebook sitzt könnte es sich empfehlen vor die Tür zu gehen. Am besten Du lässt einen Stein übers Wasser springen. Nachdem Du einige schöne Würfe mit einem flachen Stein hinbekommen hast, stell Dir mal die Frage: Was genau hast Du beim Werfen gedacht? Über Deine Gewichtsverlagerung, Deine Schultern, Deine Arme? Deine Hüftdrehung? Gar nichts? Perfekt!
Wahrscheinlich wolltest Du einfach nur den Stein übers Wasser hüpfen lassen. Das ist ein sehr guter Schwunggedanke - sagt Jeff. Für ihn beherrscht der rechte Arm den Schwung - sehr ähnlich wie beim Werfen eines Steins über Wasser. Der Rest des Körpers sorgt einfach dafür, dass die Arme so schnell wie möglich schwingen können.

Die optimale Geschwindigkeit Deiner Arme testen

Das Geheimnis langer Schläge ist wie bereits gesagt die Fähigkeit die Arme und den Schläger möglichst schnell zu schwingen. Diese Geschwindigkeit wird beim echten Schlag allerdings von der Balance begrenzt. Wenn Du nicht in der Lage bist, den Ball in der Mitte der Schlagfläche zu treffen bringt Geschwindigkeit nichts.

Übung 3

Stell Deinen hinteren Fuß während des Schwungs auf die Zehenspitzen. Dazu nimmst Du den Fuß ca. 30 Zentimeter hinter die Linie der Zehen  und stellst ihn auf die Zehenspitzen. Nun schwingst Du so schnell wie Du kannst. Kommst Du ins wanken oder stolpern, dann schwingst Du zu schnell - für Deine Balance. Versuch' es etwas langsamer, bis Du Deine optimale Geschwindigkeit gefunden hast, die es Dir erlaubt trotzdem in Balance zu schwingen.
Diese Übung trainiert auch die Arme darin möglichst schnell zu schwingen. Hüfte und Oberkörper sind dabei stark fixiert, sodass der Schwung hauptsächlich aus den Armen kommt. 
Ganz nebenbei hilft diese auch als Flamingo Drill bekannte Übung darin, den verhassten Slice zu bekämpfen.

Trainiere im Fitnessstudio - baue Deinen Körper auf!

Tipp:Als weiteren Tip gibt er noch folgendes mit auf den Weg:

Öffne Deine recht Schulter im Rückschwung. Der Ellbogen sollte dabei nicht dicht am Körper liegen, sondern Raum für Bewegung haben. Achte darauf, dass der linke Arm locker ist und einem schnellen Schwung nicht im Wege steht. Dieses Konzept ist auch als flying ellbow (Fliegender Ellenbogen) bekannt. Etwas Vorsicht ist hier angebracht. Vielen (und auch mir) wurde beigebracht, den rechten Ellbogen so eng wie möglich am Körper zu halten um mehr Kontrolle über den Schläger zu haben. Genau das scheint aber einem längeren Schwung entgegen zu stehen. Hier sollte man einfach mal ein bisschen experimentieren und sehen, ob sich der fliegende Ellbogen positiv oder negativ auf den Schwung auswirkt. 

Stabiler und länger - Übungen

Aus unseren Recherchen lassen sich viele Gemeinsamkeiten ableiten. Anbei eine Sammlung von Übungen die von verschiedenen Golflehrern und Seiten im Internet so oder in ähnlicher Form empfohlen werden:

Stärkung der Mitte

Eine starke Mitte ist ein gute Voraussetzung für einen schnellen, stabilen und wiederholbaren Schwung. Vor allem eine Übung in unzähligen Variationen wird hier eingesetzt. Die Plank oder auch Unterarmstütz genannt. Der Name stammt daher, dass der Körper möglichst gerade unter Spannung gehalten werden soll - eben wie eine Planke. Dabei ruht das Körpergewicht auf Unterarmen und Zehen.

Plank mit Beinheben

Wir stellen hier exemplarisch die Plank leg lift (mit Beinheben) vor. Dabei stützt man sich auf die Unterarme und hält Rumpf und Beine auf einer Linie. Nun wird langsam abwechselnd das linke und rechte Bein gestreckt angehoben. Dabei solltest Du den Po anspannen und auf eine saubere und langsame Ausführung achten. Der Kopf sollte möglichst gerade gehalten werden.

Plank: Ausgangsposition

 Plank: Anheben des gestreckten Beines

Planks sind Halteübungen. Du solltest also versuchen, diese Übung möglichst über 30 oder 45 Sekunden zu halten und die Beine immer abwechselnd zu heben.
Übrigens ...verwendet auch Rory McIlroy genau diese Übung in seinem workout. Und er ist einer der long hitter auf der PGA Tour!
Wie bereits erwähnt gibt es unendliche Varianten der Plank. Dazu empfehlen wir einfach im Internet nach entsprechenden Übungen zu suchen.

 

Squats - Kniebeugen

Neben einer Stabilisierung der Mitte wird auch immer wieder die explosive Schnellkraft als wesentlich für eine hohe Schwungkopfgeschwindigkeit genannt. Eine gute Basisübung dazu, die auch sehr gut variiert werden kann sind die squats bzw. Kniebeugen.

Für den Anfang genügen Dir wahrscheinlich einfache Kniebeugen. Später kannst Du dann zu jump squats übergehen, wie im angehängten Video gezeigt.

Diese jump squats sind ziemlich anstrengend - fördern aber genau die Schnellkraft die für unseren Schwung entscheiden ist. 

 

Eine weiter fortgeschrittene Variation sind die jump squatts mit Drehung. Dazu kombiniert man die jump squats mit einer 180° Drehung abwechselnd nach rechts und nach links. Nach dem Sprung stehst Du also jeweils um 180° gedreht. Diese Übung ist ideal für Golfer, da sie der Bewegung während des Schwungs sehr nahe kommt.

Russian Twist

Ideal für die Kräfitung der setilichen Bauchmuskulator ist der Russian Twist.

 

Russian Twist für die Stärkung der seitlichen Bauchmuskulatur


Die hier dargestellten Übungen stehen beispielhaft für ein Basistraining. Es gibt davon sehr viele Variationen. Wenn Du allerdings diese Übungen zwei bis dreimal die Woche in drei oder vier Durchgängen durchführst, wirst Du schon bald eine positiven Einfluss auf deinen Golfschwung spüren.

Zudem gibt es auch Apps, die Dich bei solchen Übungen unterstützen können. Als Beispiele seien hier "adidas Training" (von uns erfolgreich getestet!) oder  "Seven - Sieben Minuten Workout", "Pumatrac" usw. Eine Suche im Internet oder AppStore enthüllt weitere Möglichkeiten. 

 

 

Wir hoffen, wir konnten damit einen kleinen Überblick über den Fitness-Aspekt im Golfschwung geben. Aus unserer eigenen Erfahrung können wir es unbedingt empfehlen die körperliche Fitness zu steigern. Neben mehr Länge wird der Golfschwung dabei auch stabilisiert. Gerade für die kalte und dunkle Jahreszeit sind diese Übungen perfekt geeignet, um sich für die kommende Golfsaison fit zu machen.

Viel Spaß und ein gutes Spiel!

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