
Frank Schmolz - August 2020
Der um den sich beim Golf alles dreht -
der Golfball!

So soll er fliegen - wenn alles gut geht
Die teuerste Ausrüstung im Bag, den neuestes Elektro-Trolley einer deutschen Edelschmiede im Wert eines Kleinwagens - und den nächstbesten gefundenen Golfball am Start...
So oder so ähnlich sieht es oft aus auf deutschen Golfplätzen. Zeit also, sich einmal den Golfball etwas näher anzusehen. Hier stellen wir Dir ein paar interessante Fakten zum Golfball und seiner Geschichte vor. Dabei wollen wir nicht zu sehr ins Detail gehen. Wir wollen Dir einen Überblick geben.
Warum man früher Angst vor explodierenden Golfbällen haben musste und wie viele Golfbälle jährlich hergestellt werden erfährt Du in diesem Artikel.
"If you think it's hard to meet new people, try picking up the wrong golf ball."
Jack Lemmon
“It's good sportsmanship to not pick up lost golf balls while they are still rolling."
Mark Twain
Eine kurze Geschichte der Golfbälle
Man geht heute davon aus, dass die ersten Golfrunden im frühen 15. Jahrhundert gespielt wurden. Der Golfball hatte also ein paar hundert Jahre Zeit um sich zu entwickeln. Man nimmt an, dass die ersten Gollbälle dabei aus Holz waren. Das konnte allerdings bislang nicht definitiv bewiesen werden. Diese Bälle komplett rund und glatt waren (also keine Dimples besaßen). Definitive Funde dazu gibt es nicht.
Der "hairy" Golfball
Sehr lange zurück reicht die Geschichte der mit Haaren gefüllten Bälle. Bereits die Römer kannten diesen Ball, der mit Haaren gefüllt wurde und mit einer Lederhaut vernäht war. Allerdings wurde dieser Ball zu deren Zeit nicht für das bisweilen sehr demütigende Golf-Spiel eingesetzt. Vielmebr wurde dieser Ball für das Harpastum/Harpasto (gr.) genannte Spiel verwendet dass eine Mischung aus Rugby und Handball gewesen sein soll.
Über die Niederlande kam dieser Ball wohl im Mittelalter nach Schottland, wo mindestens seit 1554 diese Bälle hergestellt wurden. Man weiß von Disputen zwischen Lederarbeitern ((cordiners) und den "...cordiners and gouff ball makers of North Leith" im Jahr 1554.
Der Feathery wurde lange Zeit für Golf bzw. die Vorläufer des heutigen Golf verwendet. Dabei kam der Ball insbesondere beim Spiel der Variante auf Eis zum Einsatz.
Der "feathery" Golfball
Später ging man dazu über Golfbälle aus Leder herzustellen. Die Golfbälle aus Leder wurden dann mit Federn gefüllt (sogenannter "featherie"). Sie hatten einen Durchmesser von ca. 17,5 cm. Später ging man dann zu kleineren Bällen über mit einem Durchmesser von ca. 10 cm. Als Schläger wurden Holzschläger benutzt und man nannte das Spiel "bandy ball".
Alte "featherie" Golfbälle
Nächster Evolutionsschritt - der "gutta percha" Ball
Mitte des 19. Jh. entwickelte man in Italien den gutta-percha Golfball oder auch "gutty" genannt. Der Ball wurde aus einem natürlichen Gummi aus Südost-Asien hergestellt. Obwohl der Ball eine idealere Form hatte und weicher war als der "featherie" flog er weniger weit.

Historische Aufnahme eine Gutta Percha Baumes, ca. 1885 (Quelle: commons wikimedia, Aufnahme: Woodbury & Page (Fotograaf/photographer
Im Bild sieht man einen Vergleich zwischen Lederball, einem handgemachten Gutty und einem maschinell hergestellten Gutty.

Dieser Ball wurde bis in das frühe 20. Jh. verwendet. Dabei gab es unterschiedliche Entwicklungen. Unter anderem gab es einen Ball, der mit Pressluft befüllt war. Leider neigte dieser Ball zu Explosionen, weshalb es sich vermutlich nicht weiter durchgesetzt hat ...
Balata Ball
Ein weiterer Entwicklungsschritt war der Balata Ball. Es handelt sich dabei um den Milchsaft der südamerikanischen Balatabaumes. Daher auch der Name. Die Bälle wurden früher oft von Profis benutzt. Sie vermittelten ein weicheres Gefühl. Sie boten auch mehr Spin als die damaligen Alternativen.
Allerdings waren die Bälle sehr empfindlich. Ein schlecht getroffener Ball konnte sofort Beschädigungen aufweisen - wie z.B. einen Riss bekommen. Dementsprechend waren diese Bälle nicht für Anfänger oder Spieler mit hohem Handicap geeignet.
Zahlen und Fakten zum Golf aktuell
Weltweite Zahlen
Heute spielen ca. 60 Millionen Menschen weltweit Golf. Ihnen stehen dabei ca. 30.000 Golfplätze weltweit zur Verfügung. Pro Jahr werden ca. 900 Millionen Runden Golf gespielt.
TEST: Wie Du auf dem Golfplatz Deine Performance trackst kannst Du hier erfahren bei meinem Test der ShortScope v2 Golfuhr.

Golf in den USA
Die Vereinigten Staaten sind sicherlich der bedeutendste Markt für Golfprodukte. Man denke nur an die vielen klingenden Marken die in den USA ihr zu Hause haben: Callaway, Wilson Staff, TaylorMade, Titleist, FootJoy, Pinnacle, Scotty Cameron usw.
Allein in den USA gibt es geschätzt ca. 24,2 Millionen Golfspieler, 8.000 davon betreiben den Sport professionell (als Teaching oder Playing Pros). Das hört sich beeindruckend an. Schaut man sich aber die Historie an, dann relativiert sich das. So spielten noch 2006 ungefähr 29,8 Millionen Einwohner der USA Golf...
Golf in Europa
In Europa gibt es aktuell ca. 4,15 Millionen Menschen, die sich dem wundervollen Golfsport widmen. 16% davon leben in Deutschland. Es gibt 6.861 Golfanlagen in Europa.
Wie viele Bälle werden pro Jahr weltweit hergestellt?
Um die ca. 60 Millionen Golfer weltweit zu versorgen müssen viele Bälle hergestellt werden. Denn irgendwie müssen ja die Wasserhindernisse der Golfplätze im Laufe der Zeit aufgefüllt werden ...
Aktuell werden etwa 1,2 Milliarden Golfbälle pro Jahr hergestellt und vertrieben. Dies allein sorgt für einen Umsatz von ca. 550 Millionen USD jährlich.
Die beiden genannten Zahlen bedeuten, dass jeder Golfer pro Jahr ca. 20 Golfbälle kauft - oder zur Verfügung bestellt bekommt, falls man Profispieler ist...
Bestimmungen zum Ball
Vor 1990 gab es zwei verschiedene Festlegungen zu den Eigenschaften von Golfbällen. Diese unterschieden sich in der Minimalgröße des Balles. Während die USGA einen Ball mit mindestens 1,68 inches Durchmesser forderte ("large ball"), gab es den sogenannten britischen Ball mit einer Mindestgröße von 1,62 inches.
Seit 1990 sind die Spezifikationen für einen Golfball allerdings weltweit einheitlich geregelt wie folgt:
Maximalgewicht | 1,62 oz (45,93 g) |
---|---|
Minimalgröße | 1,68 inches (42,672 mm) |
spherische Symetrie | die Bälle müssen tatsächlich rund sein |
max. Startgeschwindigkeit* | 250 feet/second (75m/Sekunde) |
Gesamtlänge* | die Standardlänge eines Schlages soll (inklusive roll) nicht mehr als 280 yards betragen |
* diese Eigenschaften werden mit standardisierten Maschinen getestet
Diese Bestimmungen werden jährlich überprüft und angepasst, wenn notwendig.
Ein wichtiges Detail: Die dimples
Dimples sind die kleinen regelmäßigen Vertiefungen bzw. Erhöhungen auf der Oberfläche des Golfballes. Entdeckt wurde die Wirkung der dimples wie so oft durch Zufall und Beobachtung. Zu der Zeit als Golfbälle noch rund waren, machten Golfer die Erfahrung, dass ihre alten "verschließenen" Golfbälle weiter flogen als neue. Bald begannen sie damit neue Golfbälle mit Kerben zu versehen um die Flugeigenschaften zu verbessern.

Golfball mit gut sichtbaren runden Dimples
Irgendwann gingen die Hersteller dazu über, Bälle direkt mit diesen "dimples" im Produktionsprozess zu versehen. Die dimples sorgen für einen verringerten Strömungswiderstand, ähnlich wie bei einem stromlinienförmigen Auto durch verschiedene physikalische Vorgänge für einen weiteren Flug. Ein Ball mit Dimples kann bis zu 4-mal soweit fliegen, wie ein vergleichbarer glatter Ball.
Flache dimples bewirken dabei mehr Spin und mehr Höhe. Der Ball rollt allerdings weniger weit aus. Tiefe dimples sorgen dementsprechend für weniger Spin, weniger Höhe mit weniger Zeit in der Luft und einem längeren Ausrollen.
Die Anzahl der dimples
Auch die Anzahl der dimples variiert und ist nicht festgelegt. So hat bspw. ein Titleist Pro V1 aus 2017/2018 352 dimples. Dagegen hat der Pro V1X aus dem gleichen Hause nur 328. Es gibt Golfbälle mit bis zu 1.070 dimples.
Im Allgemeinen verfügen aktuelle Golfbälle jedoch über 300 bis 450 dimples. Diese sollen die Flugeigenschaften verbessern. Die Charakteristik des Balls wird dabei bewusst beeinflusst um die gewünschten Eigenschaften zu erhalten. Neben der Anzahl der dimples ist auch die Form der dimples und ihre Verteilung auf dem Ball wichtig.
Das Mysterium: Was bedeuten die Nummern auf dem Golfball?
Die Nummern auf den Golfbällen haben in der Regel keine technische Bedeutung. Kleine Zahlen von 1 bis 4 (oder auch bis 9) dienen einfach nur der besseren Unterscheidbarkeit. Sollten mehrere Spieler in einem Flight den gleichen Ball verwenden, so sollten sie Bälle mit unterschiedlichen Nummern verwenden. In der Regel werden (bei Turnieren) Marke und Nummer eines Balles vor dem ersten Abschlag angesagt. Damit kann ein Ball im Spiel eindeutig identifiziert werden.
Es gibt aber auch Bälle mit zweistelligen Nummern. Diese geben dann höchstwahrscheinlich die Kompression des Balles an. Zahlen im Bereich von 70 bis 80 sind geeignet für Anfänger bzw. Spieler mit niedrigen Schlägerkopfgeschwindigkeiten. Zahlen im Bereich von 100 markieren Bälle, die hohe Schlägerkopfgeschwindigkeiten benötigen. Diese sind für gute Spieler geeignet. Heute ist es kaum noch üblich, diese Zahlen auf Golfbälle zu drucken.
Bälle mit dreistelligen Nummern im Bereich von 300 bis 500 geben höchstwahrscheinlich die Anzahl der dimples an. Während wie oben erwähnt eine Zahl bei 100 die Kompression angibt.
Der Aufbau aktueller Bälle
Heutige Golfbälle sind aus mehrerern Schichten aufgebaut. Je nach Anzahl dieser Schichten unterscheidet man
- 2-piece (z.B. Titleist TruFeel)
- 3-piece (z.B. Titleist ProV1)
- 4-piece (z.B. callaway Chrome Soft, Titleist ProV1x)
- multilayer Bälle
2-piece Bälle
Einfachere Bälle haben in der Regel einen zweischichtiges Aufbau. Dieser besteht aus einem großen Kern und einer relativ dünnen Schale.
2-piece Bälle bieten in der Regel eine gute Länge. Sie sind optimiert auf eine größtmögliche Geschwindigkeit beim Verlassen des Schlägerkopfes.
Hier finden sich die sogenannten Spin Control Balls. Sie sind geeignet für Spieler, die einem Slice oder Hook entgegen wirken wollen. Durch den verringerten Spin wirkt sich der seitliche Spin weniger stark auf die Flugbahn aus. Der Slice oder Hook wird verringert.
3-piece Bälle
Bei den 3-piece Bällen wird um den Kern noch eine weitere Schicht unter der Schale verwendet. Bereits dadurch ergeben sich viele Kombinationsmöglichkeiten bzgl. Kern, äußerem Kern und dem Material der Schale. Diese Bälle bewegen sich dann allerdings in einem höheren Preissegment. Hier finden sich Modelle wie der Titleist ProV1, Wilson DX3 Softspin, Wilson Staff DX3 Urethane .. Ein Ball kostet in der Regel ab 2 Euro aufwärts.
4-piece Bälle und multilayer Bälle
Noch aufwändiger sind Bälle mit 4 oder mehr Schichten. Ziel des hohen Aufwandes für solche Bälle ist es sowohl viel Länge als auch gute Kontrolle bei Wedge-Schlägen rund ums Grün zu ermöglichen. Diese Bälle sind eindeutig für den sehr guten Golfspieler konzipiert, der aus dem Material und dem Ball das Maximum herausholen will. Dementsprechend sind diese Bälle im preislichen Premiumsegment zu finden. Diese Bälle werden auch als Total Performance Bälle bezeichnet, da sie eine gute Performance in den verschiedensten Situation bieten.

Aufbau des TaylorMade TP5 Golfballes Der Aufbau eines aktuellen Balles (TaylorMade TP5)
Die Golfballschalen
Heute werden zwei veschiedene Arten von Schalenmaterial eingesetzt.
Surlyn: Ist sehr haltbar aber auch härter als Urethan. Es verleiht dem Ball etwas mehr Länge. Dies geht aber einher mit einem Verlust an Kontrolle und Spin bei den Wedge-Schlägen rund ums Grün.
Urethan/Elastomer: Etwas weicher und damit besser für das Gefühl im Schlag. Allerdings dafür nicht so haltbar. Typischerweise verwendet für Allround-Bälle.
Hier gibt es ein Video, dass zeigt wie bei Titleist Golfbälle entstehen:
Zukünftige Entwicklungen
Es ist absehbar, dass die Weiterentwicklung sich hauptsächlich bei der Anzahl der Schichten und ihrer spezifischen Mischung abspielen wird. Außerdem wird mit neuen Materialien getestet.
Gleichzeitig wird auch immer weiter an der Formgebung der dimples gearbeitet.
Allein Titleist besitzt über 1.000 Patente zur Entwicklung und Produktion von Golfbällen und es werden sicher auch in Zukunft weitere hinzukommen.
Quellangaben
Golf Ball from Hairy to Haskell - https://www.scottishgolfhistory.org/origin-of-golf-terms/golf-ball-feathery-gutty-haskell/ (abgerufen am 1.8.2020)
Angaben von der Titleist Seite für Forschung und Entwicklung (abgerufen am 15.11.2019) : https://www.titleist.com/company/research-development
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